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Soziale Skulptur | Pink Silence

Gewalt gegen Frauen ist ein internationales Problem. Frauen in Indien sind häufige Opfer von Mitgiftmorden, Ehrenmorden und häuslicher Gewalt. Die Vertuschung dieser Verbrechen ist ebenfalls ein großes Problem, da die Korruption weit verbreitet ist. Es ist üblich, dass Beamte von der Familie des Angeklagten bestochen werden und sich dann weigern, den Fall weiter zu verfolgen. Die Situation der Frauen in Indien ist in vielerlei Hinsicht problematisch: Misshandlung, sexuelle Belästigung, Abtreibung von weiblichen Föten, Entführung und Vergewaltigung sind keine Einzelfälle, sondern ein Massenphänomen.

Soziale Skulptur | Pink Silence

Auf dem Ghandi-Platz am Pondicherry-Strand im Bundesstaat Tamil Nadu wurden Anfang des Jahres 365 freistehende Bambusstäbe öffentlich ausgestellt. Dies ist ein gemeinsamer Treffpunkt in der Mitte der Stadt. Die Masse aus großen und kleinen pinken Bambusstöcken strahlte hell auf der sonst pastellfarbenen Promenade und faszinierte viele Fußgänger*innen. Einige der Sticks trugen Botschaften, die in Tamilisch auf Spiegelfolie geschrieben waren. Die interaktive Dimension der Skulptur wurde gesehen, als sich viele Menschen schnell um die Installation versammelten, einige begannen, die auf den Streifen aus Spiegelfolie geschriebenen Botschaften zu lesen und zu diskutieren. Darüber hinaus wurden von Studenten*innen des Auroville Institute of Applied Technology (AIAT)) in Tamil Flugblätter verteilt, die die politische und symbolische Kraft der sozialen Skulptur erklären. Unterdessen kam auch die Zivilpolizei, um sich nach dem rechtmäßigen Standort der Anlage zu erkundigen und nicht, wie zunächst vermutet, sie zu entfernen und uns aufgrund einer „unangekündigten Demonstration“ zu vertreiben. Später am Tag sprachen die AIAT-Studenten*innen auf der Bühne des Internationalen Yoga-Festivals, das in der Nähe stattfand, und brachen das Tabu! Sie sprachen in der Öffentlichkeit über Gewalt gegen Frauen und Kinder und deren Ursachen. Schließlich forderten sie eine Minute des stillen Gedenkens an die Opfer.

Pink Silence am Ghandi-Square beim Internationalen Yogafestval in Pondicherry

Tabubruch und Wege zur Selbstermächtigung

PINK SILENCE, das EachOneTeachOne-Projekt in Auroville und Pondicherry, brachte mehr als 200 Teilnehmer zusammen, um eine große soziale Skulptur zu schaffen. Die Installation durchlief mehrere Etappen: den Bau im Auroville Bamboo Center, der Workshop für die AIAT-Studenten*innen und vor allem den Austausch der persönlichen Botschaften der Frauen der Auroville Village Action Group und ihre Verbindung zu den Selbsthilfegruppen, die aus gewalttätigen Haushalten geflohen sind.
Eine der besonderen Herausforderungen des Projekts bestand darin, dieses sensible Thema behutsam einzuführen. Die Schande, über Gewalterfahrungen zu sprechen, ist groß. Meistens beschweren sich die Betroffenen nicht und scheuen sich, sich gewissenhaft mit der Situation auseinanderzusetzen, wie sie oft im engeren Familienkreis stattfindet. Im Falle eines Falles werden die betroffenen Frauen oft von ihrer sozialen und beruflichen Umgebung stigmatisiert und marginalisiert. Die #metoo-Debatte kam erst im Oktober 2018 nach Indien und öffnete die Plattform der Social Media für die gut ausgebildete Mittel- und Oberschicht. Aber die Unterschichten haben immer noch große Schwierigkeiten, Unterstützung zu bekommen und ihren Stimmen Gehör zu verschaffen.

Um das Thema vorzustellen, haben wir uns den Film Gulabi Gang von Nishta Jain mit den AIAT-Dozenten*innen angesehen. Die Regisseurin dokumentiert die Bemühungen und die Entwicklung einer feministischen Bewegung der unteren Kasten im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Dies löste eine Debatte aus, die viel Auftrieb brachte. Obwohl die gezeigten Frauen und Familien eine andere Sprache sprachen, motivierten die Ähnlichkeiten des „normalen“ Alltagslebens die Lehrer*innen, sich mit dem Thema zu befassen. Sie begannen mit dem Austausch von Informationen über bekannte Fälle in der Region und sprachen über die systemischen Probleme in ihrer Gesellschaft.

Projektwoche mit der AIAT, dem Bamboo Center Auroville und den Frauen der Village Action Group

In der folgenden Projektwoche wurden von den Schülern*innen 365 Sticks rosa gestrichen – zunächst ohne weitere Hinweise darauf, worum es bei der Installation ging. Am Ende der Woche wurden andere Teilnehmer*innen, wie z.B. die Frauen der Village Action Group, eingeladen, an dem Tag teilzunehmen, an dem das Thema für die Installation enthüllt werden sollte. Die gemeinsame Betrachtung des Films und die Beseitigung der damit verbundenen Tabus des Themas wurden zu einem „Aha-Moment“. Viele Teilnehmer*innen setzten sich zusammen und diskutierten die Ursachen häuslicher und institutioneller Gewalt, die sie dann als Slogans auf Filmstreifen niederschrieben. Sie beklagten sich über Missbrauch, Zugang zu Bildung und vor allem Alkoholismus. Diese Streifen wurden dann auf die Stöcke geklebt und gaben so jedem einzelnen Stick eine persönliche Geschichte – man konnte sehen, dass bei den Teilnehmern*innen ein Schalter umgedreht und „Klick“ gemacht hat. Die Installation wurde von der Gemeinschaft voll akzeptiert. Freiwillige haben sich für weitere Folgemaßnahmen gemeldet.

Gulabi Gang | Pinke Sari Revolution

Inspiration für die soziale Skulptur ist die feministische Bewegung GULABI GANG aus der Region Uttar Pradesh. Die Gruppe kämpft gegen die tägliche Gewalt und Unterdrückung von Frauen und wird unter der Leitung von Sampat Pal Devi gebildet. Diese unverblümte Gemeinschaft mit 20.000 Frauen trägt rosa Saris und Bambusstangen in der Öffentlichkeit als Zeichen von Gerechtigkeit und Stärke. Sie demonstrieren lautstark, um ihre Beschwerden zu Gehör zu bringen – das ist absolut einzigartig in Indien. Es war bemerkenswert, dass diese Bewegung im Norden zwar viel Medienberichterstattung erhalten hatte, im Süden des Landes aber die GULABI-Bande unbekannt war. Umso größer war der Eindruck bei den Frauen im Süden, die sich klar mit dem Alltag und den Geschichten der Menschen im Norden identifizieren konnten.

Pink Silence in Deutschand

Bis heute wird Pink Silence jährlich unabhängig voneinander im AIAT fortgesetzt, um die Tabus rund um das Thema zu beseitigen. Einige der Stöcke machten sich auf den Weg nach Deutschland und wurden auf den folgenden Veranstaltungen und Ausstellungen gezeigt:

  • Pink Silence | Unity Pavilion, Auroville 2015
  • Gulab Jamun | Goethe45, Bremerhaven 2015 (Einzelausstellung)
  • Das menschliche Leben beginnt jenseits der Verzweiflung | Blond&Blond Contemporary, Berlin 2015
  • Adabana – Blumen, die nicht blühen dürfen | Rathaus Bochum 2015
  • Borrari | Prima Center, Berlin 2015
  • Preisverleihung Deutschlandstipendium | Lichthof der Technischen Universität Berlin, Berlin 2015 (Einzelausstellung)

 

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