Soziale Skulptur | Smile & Protea Gold

Agenda2030: Art & Culture make the world go `round

Das Projekt „Art & Culture make the world go round“ wurde 2017 im Auftrag vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über Engagement Global gGmbH gefördert und verbindet zwei Crews HipHop Education South Afrika und EachOneTeachOne aus Deutschland, die sich mit dem SDGs 11 der Agenda2030, Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen, gemeinsam beschäftigen. Über Kunst und Kultur wurden in Bremerhaven und Kapstadt Events, Workshops, Aktionen und Debatten mit den Menschen aus lokalen Stadtteilen verwirklicht.

Soziale Skulptur | Smile

SMILE entstand auf den Straßen Woodstocks, einem ehemals industriellen Stadtteil Kapstadts, welcher derzeit Gentrifizierungsprozesse durchlebt. In einer Seitenstraße der Victoria Rd. trafen wir uns eines Vormittags mit den Brother and Sisters from the streets. Den Grundstein des Kontakts zu den dort lebenden Menschen wurde im Vorhinein von einem kooptierten Mitglied unserer Crew gelegt. Die Idee für die soziale Skulptur SMILE ist simpel und den Umständen der Straße geschuldet: wir gestalten direkt im öffentlichen Raum, haben demnach keine Tische und Werkzeuge als Hilfsmittel zur Verfügung, sondern arbeiten nur mit unseren Händen. Und dem uns verbindenden Lachen… SMILE sucht nach dem, was alle Menschen verbindet, unabhängig von Herkunft, Status und Sprache.

Wie visualisiert man ein Lachen? Diese Frage bildet den Kernpunkt des Projekts. Ich wollte das menschliche Lachen herausbilden, seine Spontanität und Ansteckung zu Papier bringen und suchte nach den dafür geeigneten Mitteln. Die Entscheidung ohne weitere Hilfsmittel zu arbeiten, brachte die Idee, die unmittelbare Kraft des Lachens als Pinsel anzuwenden als auch konventionelle Lebensmittelfarben zum Malen, da diese zum Verzehr geeignet sind. So mischte ich am Abend vor der Aktion eine große Anzahl diverser Farbtöne mit Wasser an. Die Wahl des Papiers fiel auf weiße Brotpapiertüten, die durch Spielmöglichkeit, Form, Haptik und Bedeutung eine ideale Erweiterung zur Lebensmittelfarbe darstellen. Zusammen mit den Brothers and Sisters entstand der erste Teil von SMILE auf der Straße: Erst wurden die Papiertüten aufgepustet und zu einem Ballon geformt, dann ein Schluck des farbigen Wassers getrunken und anschließend wieder kraftvoll auf das Papier geprustet. Die Situation war für alle Beteiligen so komisch, dass sich das Lachen schnell auf dem Papier manifestierte.

Nachdem die Farben getrocknet waren, öffnete und glättete ich die Brottüten. Das Papier gab zarte Farben und kraftvolle Muster preis – die Kraft eines manifestierten Lachens als auch die direkte Verbindung zur Person über seine hinterlassene DNA. Ich entschied mich die Muster mit feinen Grafiken zu ergänzen. Impressionen, die während einer Fahrt durch Khayelitsha – einem der größten Townships Südafrikas – entstanden, übertrug ich mit schwarzen Linien auf das Papier. Zuletzt kommentierte ich die kleinen Alltagsszenen mit einem hochwertigen 23 karätigen Dukaten-Blattgold. Ein symbolischer Akt, der den „wertlosen“ Materialen einen monetären Wert auferlegt und die Bilder künstlich zum Kunstwerk erhebt.

Vernissage von „Smile“ in den Greatmore Studios in Kapstadt Woodstock, 2017

Anschließend  fand in den benachbarten Greatmore Studios, einer Galerie für zeitgenössische Kunst, ein von unserem Projekt organisiertes Event statt, zu dem auch die Brothers und Sisters geladen wurden. Oft wird vielen auf der Straße lebenden Menschen die Partizipation am öffentlichen Leben, wie Besuche von Galerien, Cafés oder Geschäften, untersagt. Mit der Ausstellung von SMILE wurden die gesellschaftlichen Machtverhältnisse allerdings in Frage gestellt, da die Brothers and Sisters an einem Ort ausstellten, zu dem sie in der Regel keinen Zutritt hatten. Die soziale Skulptur SMILE bot ihnen die Möglichkeit als Künstler vollwertig in Erscheinung zu treten.

Soziale Skulptur | Protea Gold

Das B.E.S.T. College in Kapstadt ist eine gemeinnützige Organisation, die darauf abzielt, Lernenden, die nicht in der Lage waren mit der Mainstream-Ausbildung fertig zu werden, eine zweite Chance zu geben, um die Zukunft zu bekommen, die sie verdienen. Hier können sie eine Berufsausbildung absolvieren oder später an einer Regelschule das Abitur nachmachen. Das College bietet Bildung und nicht Rehabilitation. Auch hier gab es über bestehende Kontakte von HipHop Education South Africa die Möglichkeit für EachOneTeachOne an einem Vormittag Workshops anzubieten. Die Arbeit mit Lebensmittelfarbe und Brotpapier hatte sich für mich als sehr gesellig und inspirierend erwiesen. Zusammen mit Sipho Kotobason Ndebele bereitete ich einen kurzen Workshop mit derselben Technik, aber einer neuen Idee, vor.

Die King Protea ist die Wappen- und Nationalblume Südafrikas. Sie stellt ein Wahrzeichen dar, daher fand die Arbeit mit dem Symbol gleich Anklang. Die Jugendlichen modellierten eine große Protea aus Papier und nutzen dieselbe Technik mit der Lebensmittelfarbe, um sie gemeinsam farbig zu gestalten. Sipho ergänzte neun Begriffe auf den Blättern der Wildblume, ein Blatt symbolisch für jede Kapprovinz. Diese Begriffe waren die Schwerpunkte der jeweiligen Provinzen (Bundesländer), welche besonders herausstechen oder gefördert werden. Da die Jugendlichen aus verschiedenen Kap-Provinzen stammten, flossen persönliche Erfahrungen und Geschichten auf die Blätter der PROTEA GOLD mit ein.

Workshop am B.E.S.T. College in Kapstadt Woodstock, 2017

Von Südafrika nach Deutschland

Die zweite Projektphase fand im September in Bremerhaven statt. HipHop Education kam aus Südafrika nach Deutschland und führte die Zusammenarbeit mit EachOneTeachOne weiter. Eine ausführliche Presse-Dokumentation aller Projekte, Aktionen, Künstler und Beteiligen ist unter Agenda2030.online zu finden. Bis heute sind die Crews an der Weiterentwicklung des Projekts aktiv.

Die Agenda2030 als Grundlage der Zusammenarbeit

17 SDGs der Vereinten Nationen

Am 25. September 2015 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf einem Sondergipfel in New York die Agenda2030 mit dem Ziel, die Lebenssituation aller Menschen zu verbessern und gleichzeitig unseren Planeten zu erhalten. Ziel der Agenda ist es, die weltweite Entwicklung ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu gestalten. Durch das ambitionierte globale Transformationsprogramm der Agenda 2030 soll auch zukünftigen Generationen die Perspektive auf ein würdevolles Leben gegeben werden. Die Schwächsten und Verwundbarsten sollen dabei als erstes erreicht werden („Leave no one behind“-Prinzip).

Den Nachhaltigkeitszielen (SDG) sind die ‚5Ps‘ als Kernbotschaften vorangestellt: People, Planet, Prosperity, Peace and Partnership (Menschen, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft). Sie sollen als handlungsleitende und wegweisende Grundsätze dienen und reichen von der Beseitigung von Armut und Hunger über hochwertige Bildung und reduzierte Ungleichheit bis hin zu guter Regierungsführung und Klimaschutz. Die Ziele sind untrennbar miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Sie bilden die Grundlage für eine internationale und nachhaltige Entwicklung für die gesamte Menschheit.

 

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